Wie ist Ayurveda sinnvoll?
Ayurveda zählt zu den ältesten Gesundheitswissenschaften der Welt. Man sagt, sie sei vor über 5000 Jahren entstanden. „Ayurveda“ ist ein Sanskrit-Wort und setzt sich aus den beiden Teilen „Ayur“ (Leben) und „Veda“ (Wissenschaft) zusammen. Ayurveda bedeutet also wörtlich „Wissenschaft vom Leben“. In diesem Artikel gehen wir der Frage nach, warum Ayurveda so sinnvoll ist. Ayurveda ist eine einzigartige, ganzheitliche Gesundheitswissenschaft, die sich auf die Wechselwirkung von Körper und Geist und die Bedeutung des Gleichgewichts der verschiedenen physiologischen Komponenten für die Gesundheit konzentriert. Das Besondere an dieser einzigartigen Wissenschaft ist, dass ihre Prinzipien auf jeden Menschen, jederzeit und überall anwendbar sind. Ayurveda gehört zu den ältesten Wissenschaften, die sich mit personalisiertem Wohlbefinden in Form von Prakriti befassen. Laut Ayurveda wird jeder Mensch mit einer Prakriti (Konstitution) geboren, die durch das Vorhandensein der Doshas in unterschiedlichen Ausprägungen bestimmt wird. Die jeweils dominanten Doshas definieren die Prakriti eines Menschen. Ayurveda-Texte wie die „Charaka Samhita“ beschreiben die typischen Merkmale jeder Dosha-Prakriti sehr detailliert. Die Prakriti-Beschreibung umfasst äußere Merkmale, Physiologie, Vorlieben und Abneigungen, Appetit, Schlaf und vieles mehr. Dies führt uns zu der Frage: Bezogen die alten Ayurveda-Texte auch auf genetische Merkmale? Diese Frage wurde in einer kürzlich von Govindaraj P. et al. durchgeführten Studie weiter untersucht, die eine genomweite Analyse von Prakriti durchführte. Die Studie ergab, dass verschiedene Merkmale, die für jeden Prakriti-Typ beschrieben wurden, einem bestimmten Phänotyp ähnelten, was die Annahme bestärkt, dass Prakriti eine genetische Grundlage haben könnte. Man kann also sagen, dass Ayurveda seiner Zeit weit voraus war, indem es das Konzept des personalisierten Wohlbefindens einführte.
Ayurveda betont, dass die Ernährung (Ahara), der Tagesablauf (Dincharya) und der Jahreszeitenrhythmus (Rutucharya) eines Menschen mit seiner individuellen Konstitution (Prakriti) im Einklang stehen sollten. Lange bevor Vitamine, Mineralstoffe und ihre physiologische Rolle im Körper entdeckt wurden, war das Konzept der ausgewogenen Ernährung bereits im Ayurveda verankert. Es wird Wert darauf gelegt, zu jeder Mahlzeit Lebensmittel aller sechs Geschmacksrichtungen – süß, salzig, sauer, scharf, bitter und herb – zu verzehren, um eine ausgewogene Ernährung zu gewährleisten. Das Ziel des Ayurveda ist „Swasthasya Swathya Rakshanam, Aturasya Vicar Prashmanam Cha“. Dies bedeutet, die Gesundheit eines gesunden Menschen zu schützen und Krankheiten zu beseitigen. Die Größe dieser Wissenschaft liegt darin, dass sie nicht nur die Wiederherstellung von Gesundheit und Gleichgewicht im Körper fördert, sondern auch präventiv wirkt, indem sie die Gesundheit fördert und schützt.
Das Kernprinzip des Ayurveda ist das der Tridosha (drei Doshas). Demnach enthält unser Körper drei grundlegende Doshas oder Körpersäfte: Vata, Pitta und Kapha, die in unterschiedlichen Ausprägungen vorliegen. Vata steht für das Element Wind und ist für alle Bewegungen in unserem Körper verantwortlich. Von der Makro- bis zur Mikroebene lässt sich jede Bewegung im Körper – seien es Nervenimpulse, Peristaltik, Muskelaktivität oder Atmung – Vata zuordnen.
Stoffwechsel- und Umwandlungsfunktionen wie Verdauung, Resorption und Assimilation werden von Pitta gesteuert. Wenn im Ayurveda von Pitta die Rede ist, meint man daher nicht nur Galle, sondern verschiedene Enzyme und Hormone, die für Verdauung und Stoffwechsel notwendig sind. Diese können daher auch als verschiedene Formen von Pitta betrachtet werden. Das dritte Dosha ist Kapha, auch bekannt als Schleim. Es verleiht Struktur, bindet Gewebe und sorgt für biologische Stärke. Funktionen wie Gelenkschmierung, Wundheilung und Schleimproduktion in Körperhöhlen werden Kapha zugeschrieben.
Neben den Doshas sind auch die Prinzipien von Agni, Ojas, Dhatus, Malas und Gunas grundlegend für diese bedeutende Wissenschaft. Agni ist das Verdauungsfeuer bzw. das Stoffwechselfeuer. Seine Rolle besteht in der Transformation und es ist das Schlüsselelement von Pitta. Daher kann ein Mensch mit einem schwachen Verdauungsfeuer, also Agni, unter Appetitlosigkeit und Verdauungsstörungen leiden. Funktioniert Agni nicht richtig, kann dies auch zur Bildung von Ama, d. h. Toxinen oder unverdauten Stoffwechselprodukten, führen. Dieses Ama kann, wenn es sich über einen längeren Zeitraum im Körper ansammelt, verschiedene Krankheiten verursachen. Die Texte beschreiben auch Ojas detailliert. Es gilt als Extrakt aller Dhatus (Gewebe) und als die Substanz, die das Leben erhält. Prana wird als die Energie oder Lebenskraft in jeder Zelle des Körpers beschrieben. Wie in der modernen Physiologie besteht der Körper aus verschiedenen Geweben, und Ayurveda spricht von sieben Dhatus oder Geweben. Dies sind Rasa (Plasma), Rakta (Blut), Mamsa (Muskelgewebe), Meda (Fettgewebe), Asthti (Knochen), Majja (Knochenmark) und Shukra (Fortpflanzungsgewebe). Darüber hinaus werden Malas oder Abfallprodukte beschrieben, nämlich Urin, Stuhl und Schweiß.
Ayurveda beschränkt sich nicht auf die Beschreibung der Körperphysiologie, sondern geht detailliert auf die Geisteseigenschaften oder Gunas ein: Sattva (Gleichgewicht), Rajas (Hyperaktivität) und Tamas (Hypoaktivität). Dadurch wird eine tiefe und harmonische Verbindung zwischen Geist und Körper hergestellt. Das Panchamahabhoot, das Prinzip der fünf Elemente, ist ebenfalls grundlegend im Ayurveda. Gemäß dieser bedeutenden Wissenschaft besteht unser Körper, genau wie das Universum aus den fünf Grundelementen Akasha (Äther), Vayu (Luft), Tejas (Feuer), Apa (Wasser) und Prithvi (Erde), aus diesen Elementen. Das Geheimnis guter Gesundheit im Ayurveda, wie es in der Sushruta Samhita beschrieben wird, lautet daher: „Sama dosha Sama agni cha Sama Dhatu mala kriyah, prasanna atme indriya manah Swasthya itbhidiyate“. Das bedeutet: Wenn die Tridoshas (Denatur, Verdauungsfeuer, Gewebe und Körperflüssigkeiten) im Gleichgewicht sind und Seele, Sinne und Geist sich in einem angenehmen Zustand befinden, dann gilt ein Mensch als gesund. Welch ein wunderbares Konzept von Gesundheit und Wohlbefinden, das Körper, Geist und Seele vereint!
Ayurveda ist wahrlich eine Naturwissenschaft, die das natürliche Wohlbefinden fördert. Sie ist die Wissenschaft vom Leben. Sie schafft Harmonie zwischen uns und der Natur. Sie legt Wert darauf, dass wir unsere Biorhythmen erkennen und die Verbindung zwischen Körper und Geist stärken. Es ist ein ganzheitliches Gesundheitssystem, das über die körperliche Gesundheit hinausgeht und der mentalen Gesundheit gleichermaßen Bedeutung beimisst. Deshalb ist Ayurveda so einleuchtend.
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